Was heißt eigentlich, glücklich zu sein? Was ist eine gute Kindheit? Wie sehen die Erziehungsmethoden in anderen Kulturen aus? Wie streng ist man, wie erzieht man seine Kinder zu respektvollem Umgang? Wer ist in die Kindererziehung alles eingebunden? Fragen über Fragen, die von der Autorin Michaela Schonhöft in ihrem neuen Buch „“KINDHEITEN – Wie kleine Menschen in anderen Ländern groß werden“ behandelt werden. 

Dieses Buch erzählt von der kulturellen Vielfalt der Geburtszeremonien, Babypflege, Strenge, Verwöhnen, Betreuung, soziale Kompetenzen, Bildungsmotivation, Familienzeit, Naturerleben und Reifeprüfung.

Ich finde das Thema unheimlich spannend, da ich denke, man kann von anderen Kulturen viel lernen. Deshalb haben wir Michaela ausführlicher dazu gefragt: 

Wie kamst Du auf die Idee?
„Nach einer langen Reise durch Thailand habe ich zusammen mit meiner damals zweieinhalb-jährigen Tochter „Herr Rossi sucht das Glück“ geguckt. Das ist eine italienische Zeichentrickserie aus den 60er Jahren. Darin ist der hart arbeitende Herr Rossi stets auf der Suche nach ein wenig Glück im Alltag, begibt sich dafür aber auch auf allerhand Reisen. Meine Tochter stellte mir die Frage: „Mama, wo wohnt das Glück?“ Und ich stellte mir die Frage: „Ja, wo sind die Menschen eigentlich besonders glücklich? Und sind meine Töchter eigentlich glücklich?“ Da entstand die Idee, darüber ein Buch zu schreiben, mich auf Weltreise zu glücklichen Kindern zu begeben.
Ich bin als Kind, später dann als Studentin und auch mit Mann und Kindern viel gereist und unglaublich gern unterwegs. Dadurch hatte ich schon sehr viele Kontakte ins Ausland. Ich begann zunächst Bekannte und Freunde aus den verschiedensten Ländern nach ihren Einstellungen zum Kindheits-Glück zu fragen, nach ihren Vorstellungen zur Erziehung und Elternsein. Ich las psychologische, soziologische und ethnologische Studien zu Kindheiten, unterhielt mich mit sehr, sehr vielen Eltern, aber auch Experten aus fünf Kontinenten. Und ich erinnerte mich dabei auch an Begegnungen und Gespräche, die mich auf meinen Reisen sehr beeindruckt hatten.“

Wie lange warst Du im jeweiligen Land (maximal, minimal)? Wer hat Dich auf den Reisen begleitet?
„Ich bin schon als Kind, später dann als Studentin und dann als Journalistin viel gereist. Als Kind haben wir jahrelang fast jede Ferien in einem Häuschen in Värmland in Mittelschweden verbracht. Während des Studiums war ich jeweils für mehrere Monate in Bolivien, Peru, Chile, danach dann in den USA. Nach meinem Abschluss habe ich zunächst ein Jahr in den Niederlanden gearbeitet. Dann, zurück in Deutschland, bin ich viel gereist, allein oder mit Partner, nach Asien, Afrika, auch viel innerhalb von Europa. Mit Kindern sind wir, wie bereits erwähnt, mehrere Monate durch Thailand gereist. Mit der Familie sind wir seitdem ständig unterwegs, momentan aus Zeitmangel aber vor allem innerhalb von Europa.“

Du hast zwei kleine Kinder und zwei Teenager. Kannst du bei all Deinen Kindern das auf Deinen Reisen gelerntes umsetzen? Was fällt Dir davon schwer umzusetzen, was fiel Dir leicht?
„Bei meinen Reisen konnte ich, als Mutter und vorher auch als Journalistin, vor allem etwas über den generellen Umgang einer Kultur mit Kindern erfahren. Wie einfach ist es mit Kindern zu reisen? Sind Sie in Restaurants willkommen? Werden sie angelächelt, etc..? Tiefergehende Einsichten in das Erziehungsverhalten von Menschen in verschiedenen Kulturen erhielt ich aber erst durch intensive Recherche und vor allem die vielen, vielen Gesprächen mit Eltern und Experten aus zahlreichen Ländern. Ich habe vor allem nach Gesprächspartnern gesucht, die bereits Erziehungserfahrungen in unterschiedlichen Kulturen hatten, und dies auch möglichst jahrelang. Eindrücke auf Reisen sind doch meist sehr flüchtig, deswegen habe ich auch so viele Studien gewälzt, mich auch mit Wissenschaftlern und Therapeuten unterhalten.
Ich bewundere sehr die Einstellung der Niederländer zur Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Eltern nehmen ihre Karriere ernst, sie nehmen sich aber auch viel Zeit für ihre Familie, Überstunden sind eher verpönt. Gleichzeitig gibt es dort auch nicht das Rabenmutter-Image, wie es manchmal noch in Deutschland auftaucht. Die Niederländer setzen zudem sehr auf eine partnerschaftliche Beziehung zu Kindern im Teenager-Alter. Sie haben sehr viele Freiheiten, geniessen Vertrauen. Diese Einstellung hat mir sehr geholfen, bei den „Großen“ ein wenig mehr Toleranz walten zu lassen. Ähnliches gilt für meine Kleinen, drei und fünf Jahre alt. Kleinkinder genießen vor allem in Ostasien sehr viele Freiheiten. Gutes Benehmen wird ihnen nicht durch den erhobenen Zeigefinger, sondern vor allem durch Erklärungen nahegelegt. Man appelliert an Empathie, sieht von Bestrafungen eher ab. Geduld ist für mich allerdings noch eine schwierige Übung. Ich erhebe oft automatisch ermahnend meine Stimme, um dann „Du sollst nicht“, „Du darfst nicht“, etc…auf meine Töchter niederprasseln zu lesen, in der Regel ohne Erfolg. Ich arbeite dran 🙂 „

Hattest Du Aha-Effekte? Wenn ja, was?
„Die Art der Inuit mit ihren Teenagern umzugehen imponiert mir sehr. Das Verhältnis ist sehr antiautoritär. Gleichzeitig müssen die Jugendlichen schon früh Verantwortung übernehmen, haben bestimmte Jobs in der Familie zu erledigen. Das schafft Loyalitäten. In einigen Volksgruppen ist es nicht unüblich, dass Jugendliche zeitweise in eine andere Familie ziehen, wenn es mit den eigenen Eltern Stress gibt. Die Kinder werden dann wie die eigenen behandelt. Oft beruhigen sich die Jugendlichen dann schnell wieder, benehmen sich in einem anderen Umfeld auch respektvoller, ohne den Kontakt zu ihrer Ursprungsfamilie zu verlieren. Als ich davon hörte, war das für mich wirklich ein Aha-Erlebnis. Bei uns suchen auch hin und wieder Freunde unserer „Großen“ Unterschlupf, wenn Zuhause dicke Luft herrscht. Ähnlich handhaben es unsere Teenies, warten in sicherer Entfernung ab, dass sich der Rauch verzieht. Von den anderen Eltern hören wir dann häufig: „Ach, ich hab mich wirklich gut mit ihm unterhalten“ oder „Sie hat den Tisch abgeräumt, Hilfe angeboten, sehr angenehm“. Ähnliches sagen wir über ihre Brut.“

Wer spätestens jetzt Interesse gewonnen hat, sich das Buch genauer anzuschauen, kann hier klicken. Weitere Hintergrundinfos gibt es auf der Internetseite von Michaela Schonhöft:  http://www.michaela-schonhoeft.de

Viel Spaß beim Lesen und Lernen,

Eure Caro